Böse Zungen könnten behaupten, Nintendo betrachtet die Pressekonferenzen der E3 in etwa so, wie die Niederlande die EM 2016: Man muss ja nicht mittendrin dabei sein. Sollen die anderen sich doch vor den Augen von Millionen abstrampeln und um Preise spielen, wir ziehen unser Ding durch! Nintendos Ding ist es, statt einer großen Bühnenshow einen lauschigen Baumhaus-Stream in den Äther zu speisen, die schicksten Buden auf der Messe zu bestücken und nach getaner Arbeit Journalisten zu sich nach Hause einzuladen, damit sie sich selbst ans Gamepad klemmen können.

Monster Hunter Generations

video
play-rounded-fill

Im schmalen Gewand des 3DS präsentierte sich Monster Hunter Generations als ziemliches Schwergewicht. Der neueste Teil des Franchise (von dem ich wünschen würde, es würde sein hübsches Gesicht auch auf anderen Konsolen zeigen) ist, wie der Name andeutet, eine Verbeugung vor der gesamten Reihe. Auf den ersten Blick könnte Generations aber auch Monster Hunter 5 genannt werden. 105 Monster warten darauf, vom Spieler gefällt zu werden. Ca. 20 davon sind neu – die übrigen lesen sich wie eine Art „Best of Monster Hunter“. Generations zollt der Serie Tribut, indem es viele der in den vorherigen Teilen geschlachteten Monster wiedererweckt, bekannte Areale renoviert und in die Gegenwart befördert.

Allerdings gibt es auch tiefgreifende Neuerungen wie die neuen Hunting Arts – Spezialfähigkeiten, die entfesselt werden können, wenn sich der Balken auf dem unteren Bildschirm gefüllt hat. Welche Fähigkeiten euch zur Verfügung stehen, ist auch abhängig vom gewählten Hunting Style. Vier verschiedene Jagdstile stehen zur Verfügung und beeinflussen maßgeblich euren – nun ja, Jagdstil. Der Striker Style zum Beispiel ermöglicht es, drei verschiedene Hunting Arts gleichzeitig ausgerüstet zu haben während der Adept Style sich eher an Fortgeschrittene richtet, die sich aufs Ausweichen und Kontern konzentrieren wollen.

Prognose: Was soll man sagen? Es ist eben Monster Hunter! Generations basiert auf der MH 4-Engine, dementsprechend fühlte sich das Gameplay sehr vertraut an. Bei Monster Hunter glaube ich jedoch an den alten Satz: Never change a winning Team! Und für Abwechslungen sorgen die neuen Hunting Arts, die einen sehr spaßigen Eindruck machten und für Veteranen der Serie neue spielerische Reize setzen. In der kurzen Zeit, die wir gemeinsam hatten, machte Generations jedenfalls Lust auf den Release am 15. Juli.

Mario Party: Star Rush

video
play-rounded-fill

Mario Party stand leider nicht zum Anspielen zur Verfügung. Stattdessen wohnte die Zuschauerschaft einer Präsentation im Rahmen eines Matches zwischen Nintendo-Angestellten bei. Dementsprechend wenig kann ich darüber sagen, wie sich der Titel spielt. Die Belegschaft hatte offensichtlich Spaß bei der neuen Hatz über Spielbretter, die dieses Mal aus Kacheln bestehen. Gewürfelt wurde erstmals nicht nacheinander, sondern parallel und auf dem Feld können NPC-Charaktere rekrutiert werden, die bei Minispielen und dem Boss-Kampf helfen, der alle Spieler früher oder später erwartet. Ansonsten schockierte die Präsentation wenig und enthüllte nichts unerhört revolutionäres. Release ist am 7. Oktober.

Prognose: Für mich ist Mario Party einfach kein Handheld-Spiel. Wenn jeder auf sein eigenes Display guckt und auch noch gleichzeitig zieht, will bei mir nicht so Recht „Partystimmung“ aufkommen. Mal abgesehen davon, dass man für ein Vierermatch erst einmal drei Freunde finden muss, die auch einen 3DS haben –  denn einen Online-Modus wird es nicht geben! Keine optimalen Voraussetzungen für einen Welthit.

Paper Mario Color Splash

video
play-rounded-fill

In den Genuss des neuen Paper Marios kamen wir leider nicht erster Hand. Stattdessen spielte uns ein Nintendo-Mitarbeiter vor und garnierte sein Spiel mit Infos für uns Zuschauer. Nachdem der Vorgänger Paper Mario: Sticker Star gespaltene Meinungen hervorrief, hofft man bei Nintendo, durch das tropische Feeling, das Color Splash verbreitet, wieder ein Lächeln auf die Gesichter der Fans zu zaubern.

Der farbigen, optisch durchaus ansprechenden Insel Prisma wurde die Farbe entzogen, sodass Mario sich nun mit seinem Farbhammer und seinem Sidekick, dem sprechenden Farbeimer Huey, aufmacht, die Farblosigkeit zu vertreiben. Wer glaubt, dieser Satz enthält zu oft das Wort „Farbe“, unterschätzt immer noch die Wichtigkeit dieses Features in Color Splash. Nintendo setzt wie gehabt auf guten, sehr selbstreferentiellen Humor und flapsige Sprüche bei ihren Charakteren, die im gezeigten Level ausschließlich aus Toads bestanden.

Nach einem wilden Versteckspiel, in denen die Pilzköpfe geschickt versuchten, ihre Zweidimensionalität auszunutzen und wir ein Hütchenspiel gewinnen mussten, war dieser Abschnitt vorbei und die Vorführung switchte zu dem bekannten Bosskampf mit Morton. Im Kampfsystem gehen wir rundenbasiert vor. Die Sticker aus dem Vorgänger wurden durch Karten ersetzt, hinter denen sich die Gefechtsbefehle verstecken. Vor dem Ausspielen der Karten können wir sie mithilfe drei verschiedener Grundfarben (so etwas Ähnliches wie Mana oder Fähigkeitenpunkte) kolorieren. Je mehr Farbe wir aus unserem Vorrat verwenden, desto stärker der Angriff. Wie viel Schaden die Attacke verursacht ist außerdem abhängig vom richtigen Timing während der Animation der Angriffe.

Der heimliche Star des Bosskampfes war ein Item aus der Welt, das vorher in eine Spezialkarte verwandelt wurde: Mortons brennender Hammer wurde durch unseren herbeigerufenen Feuerlöscher neutralisiert – einer Beschwörung, die in ihrem Pomp an Final Fantasy erinnerte. Release auch hier der 7. Oktober.

Prognose: Color Splash wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus dem Vorgänger Sticker Star und Super Mario Sunshine. Das Inselfeeling, Nintendos gewohnt stimmungsvolle, musikalische Untermalung und der Humor des Spiels machen einfach gute Laune. Die Mischung aus 2D und 3D-Elementen birgt Potential für gute Rätsel, wenn sie gut genutzt wird. Das Kampfsystem scheint wieder etwas an Tiefe gewonnen zu haben, insgesamt sind die Rollenspielanteile gegenüber beispielsweise Paper Mario auf dem N64, immer noch zurückgefahren. Paper Mario Color Splash hat das Potential, ein gutes, unterhaltsames Action-Adventure mit RPG-Elementen zu werden, das vielleicht nicht an den Glanz von einst anknüpfen, gegenüber Sticker Star aber wieder einen Schritt in die richtige Richtung machen wird.

Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit

video
play-rounded-fill

Im Jahr 2000 erschien Dragon Quest VII: Warriors of Eden in Japan und wird am 16. September erstmals als komplett überarbeitete Version für den Nintendo 3DS erscheinen. Auch hier durften wir Hand anlegen und wurden mit einigen angenehmen Änderungen überrascht. So bewegen wir uns beispielsweise durch eine dreidimensionale Welt und dürfen auf unserem Abenteuer einem überarbeiteten Soundtrack lauschen. 

In Fragmente der Vergangenheit  begeben wir uns in Gestalt unseres selbst erstellten Helden auf die Suche nach verloren gegangenen Arealen der Spielwelt. Beginnt unsere Reise noch im überschaubaren Dörfchen Estard, reisen wir bald durch Portale in unbekannte Teile unserer Verg
angenheit. Durch das Voranschreiten der Hauptstory und das Lösen der reichlich vorhandenen Quests, holen wir uns nach und nach Stückchen unserer Welt zurück in die Gegenwart und setzen sie damit wie ein großes Puzzle wieder zusammen.

Um es Rollenspiel-Neulingen leichter zu machen wurden willkürliche Kämpfe gestrichen. Alle möglichen Auseinandersetzungen werden jetzt auf der Karte angezeigt und können somit umgangen werden. Das rundenbasierte Kampfsystem bleibt bestehen und kann durch viel Freiraum und intuitive Steuerung überzeugen. Außerdem gibt es über 30 verschiedene Klassen zu entdecken – für Abwechslung ist also gesorgt.

Prognose: Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit hat mir persönlich unheimlich viel Spaß gemacht, da es mit einer Mischung aus unkomplizierten Kämpfen, seinem ganz eigenen Dragon Quest-Charme und einer interessanten Plattform-Wahl glänzen kann. Wie genau sich die Änderung der Kampfbegegnungen auf den Spielspaß und die Laufzeit auswirkt, bleibt abzuwarten.

BOXBOXBOY!

video
play-rounded-fill

Mit BOXBOXBOY! wurde ein eher unauffälliger Titel vorgestellt. Einige von Euch werden den Vorgänger BOXBOY! gespielt haben und auch mit diesem 3DS-Titel wieder Ihren Spaß haben. In vielen, kleinen Leveln gilt es Lücken zu überqueren und gefährliche Situationen zu überstehen – und das alles nur mit Hilfe von verschiedenen Kisten-Konfigurationen. Diese Boxen könnt Ihr entweder einzeln aufstellen oder zu ganzen Kisten-Reihen aneinanderfügen um damit sicher bis ans Ende des Weges zu kommen. Am 30. Juni erscheint das Spiel im Nintendo eShop.

Prognose: Freunde von Puzzle-Games und minimalistischer Grafik werden mit BOXBOXBOY! mit Sicherheit Ihren Spaß haben. Schon nach wenigen Leveln  war das Spielprinzip verinnerlicht und lieferte immer neue knifflige Herausforderungen. Für entspanntes Daddeln auf dem Sofa (aber mehr auch nicht) definitiv geeignet.

Weitere Beiträge